Redebeitrag von Dr. Claudia Fehrenberg zum Beschlußantrag der CDU zur wolfsfreien Zone

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie legen hier heute eine Beschlussvorlage vor, die mit Inhalt und Begründung vorliegenden Tatsachen widerspricht und darüber hinaus denLeitlinien der Stadt Werder entgegensteht. Ihre Annahme, eine fiktive wolfsfreie Zone diene dem Schutz der Bevölkerung und der unbeschwerten Nutzung der Landschaft, trifft nicht zu.
Den von Ihnen vorgelegten Text findet man im Internet als Kopiervorlage Von Inhalt und Stil ist diese Seite als Scharfmacher- und Hetzseite erkennbar: schießen, schaufeln, schweigen, findet man dort ebenso als Zitat wie die Behauptung, die großen Naturschutzverbände Nabu und WWF seien profitorientierte Wirtschaftskonzerne, die die Bauern vertreiben wollen. Wolfsexperten wird dort rundweg jegliche Kompetenz abgesprochen, Fotos mit Kindern und Jungtieren suggerieren eindringlich:
unsere Babys sollen nicht sterben.
Auf welchem Niveau agieren wir hier eigentlich? Was ist denn hier Ihre Triebfeder für eine solche Beschlussvorlage? Ist es ein Mitlaufen mit einer Gruppe misstrauischer Wutbürger, die SCHIESS TOT als Lösung anbieten?
In der Gemeinde Werder (mit den entsprechenden Ortsteilen) sind derzeit 119 Tierhalter mit insgesamt rund 900 Rindern, 400 Schafen und 100 Pferden registriert. Bitte nennen Sie die Anzahl derjenigen, die ökonomisch bedroht sind. Welche Tierhalter haben Sie befragt? Es gibt Landwirte in Werder, die kein Problem damit haben, Ihre Bestände gegen Übergriffe von Beutegreifern effektiv zu schützen. Wir müssen einfach nur lernen, es sachgerecht tun.
Die Besiedlung eines wildreichen und dünn besiedelten Flächenlandes wie Brandenburg mit Wölfen zeigt eindrucksvoll, wie sich die Natur Lebensräume zurückerobert, gerade weil sie gut geeignet sind. Seit 1822 hat es in Schweden keinen einzigen Vorfall gegeben, bei dem ein Mensch in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Wolf ist schlichtweg an Menschen nicht interessiert. Auf dem Gemeindegebiet von Werder zeigen die Datenbanken keinen einzigen Übergriff auf Nutztiere.
Sie verlangen danach, die Jagd auf Wölfe frei zu geben. Anders, als Sie behaupten, sind die Erfahrungen mit der Bejagung in anderen Ländern aber durchaus nicht einseitig positiv.
Der Wunsch nach jagdlicher Kontrolle des Wolfsbestandes missachtet die überaus differenzierten sozialen Gefüge in den Rudeln. Das Herausschießen einzelner Tiere aus dem Rudel destabilisiert die Familienstruktur. Verstärkte Bejagung führt zu so einer Zunahme von Nutztierrissen als leichte Beute, wie Untersuchungen in den USA der letzten 25 Jahre gezeigt haben. Sie sehen an diesem Detailbeispiel, wie differenziert das Thema betrachtet werden muss.
Dringend erforderlich ist ein sach- und fachgerechtes Vorgehen, was mit Hilfe des Managementplanes und dort eingesetzten Fachleuten gelingen soll.
Fakt ist allerdings auch, dass die Weichenstellung des Landes Brandenburg nicht transparent, nicht einheitlich und schwer nachvollziehbar ist. Das Landesumweltamt hat offenbar nicht ausreichend
Fachkompetenz, die Fachstellen sind darüber hinaus nicht ausreichend verknüpft, die Entschädigungen dauern viel zu lange und die Tierhalter fühlen sich häufig allein gelassen.
Dringend erforderlich sind also Kommunikation, Transparenz und Vernetzung sowie eine bessere Unterstützung der Tierhalter.
Dafür zu sorgen, dass unsere Natur nachhaltig geschützt wird, das haben wir uns in unsere Leitlinien geschrieben. Dazu gehört auch, dass wir dem Zuwanderer Wolf seinen Raum gewähren. Sie können in Schweden, in Italien, in den Pyrenäen oder in Kanada ebenso unbeschwert ihre Freizeit in den Wäldern genießen wie hier in Brandenburg. Die vielfach zitierte NINA Studie aus Schweden zeigt, dass Szenarien von Übergriffen auf Menschen für Deutschland keine Relevanz haben.
Abschließend möchte ich auf Folgendes hinweisen:
Mir liegt eine Ausarbeitung der Rechtsabteilung des Deutschen Bundestages vor mit der Fragestellung der Vereinbarkeit der Ausweisung wolfsfreier Zonen mit dem Naturschutzrecht. Fazit: Die Ausweisung einer sogenannten wolfsfreien Zone ist rechtlich nicht zulässig. Es fehlt an einer rechtlichen Grundlage für den Gemeinderat, eine solche Zone zu erklären. Für rechtswidrige Gemeinderatsbeschlüsse besteht die Möglichkeit der Beanstandung durch die Kommunalaufsicht.
Ich fordere die CDU-Fraktion aus diesen Gründen dazu auf, die Beschlussvorlage zurück zu nehmen.
Freie Bürger Werder, Dr. Claudia Fehrenberg, Fachtierärztin für Tierschutz

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