Mehr wie nur ein Straßenname

Mehr wie nur ein Straßenname Wie soll die Straße am künftigen Schulcampus im Werderaner Ortsteil Glindow heißen? Doch im Diskurs gehts es nicht nur um den Namen einer Straße, sondern um eine Denk- und Erinnerungskultur in der Stadt Werder. Und genau das hat das Mitglied des Ortsbeirates Fred Witschel in der Ortsbeiratssitzung in einem kurzen Statement zum Ausdruck gebracht. „Wer mit offenen Augen durch Glindow geht, der stolpert in der Klaistower Straße 68 über zwei Stolpersteine.“

Sie erinnern an das Schicksal von Resi und Hans Siegfried Salomon. Allerdings, über solche Steine fällt man nicht mit seinen Füßen, sondern man stolpert eher mit seinen Gedanken und dem Herzen über die Schicksale dieser Menschen. Derzeit erinnern acht Stolpersteine an vier Plätzen an die Schicksale jüdischer Menschen in der Stadt Werder. In dem Buch „Jüdische Schicksale“ – Ein Gedenkbuch für die Stadt Werder (Havel) und ihre Ortsteile – wird über weit mehr jüdische Schicksale in unserer Stadt berichtet. So zum Beispiel über Irene Carst. Sie wohnte in der Karl-Liebknecht-Str. 37. Dazu forschte auch der Heimatverein Glindow und schrieb die Ergebnisse im „Glindower Almanach“ nieder. Ihr Schicksal nach 1935 lässt sich schwer nachkonstruieren, doch soll sie jüdische Kindertransporte in die Emigration nach England begleitet haben. Des Weiteren erinnert das Buch an die 17 jüdischen Zwangsarbeiter in der Ziegelei Glindow. Zu diesen Schicksalen gibt es derzeit keine Stolpersteine. Doch sind es nicht auch Schicksale, denen mit der Benennung dieser Straße am künftigen Schulcampus gedacht werden könnte? Ich stelle die Frage: Dem Schicksal der Familie Salomon ist mit zwei Stolpersteinen gedacht und eine Erinnerung an diese Familie gesetzt worden – was ist mit dem Gedenken an andere Schicksale?“


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