Sparen ohne Konzept

(PNN, 06.11.2013) von Henry Klix
Stadt Werder setzt auf Energieberatung

Werder (Havel) - Die Stadt Werder hat sich endgültig von der Idee verabschiedet, ein Energiekonzept zu erstellen. Besonders die Linken hatten wiederholt ein solches Maßnahmepaket gefordert, um die CO2-Bilanz der Stadt zu verbessern und die Energiewende voranzutreiben. Beigeordnete Manuela Saß erklärte am Montagabend bei einer Veranstaltung der „Freien Bürger“, dass man die Mittel lieber in die Umrüstung der Straßenlaternen auf LED investiere. „In der Vergangenheit ist viel Geld in schön gebundene Konzepte geflossen, die in Schubladen verschwunden sind.“ Der Handlungsspielraum sei ohnehin begrenzt, auch weil Werder über kein eigenes Stadtwerk verfüge.

Die „Freien Bürger“ wollten bei der Veranstaltung über das Thema „Energieberatung in der Kommune und im privaten Haushalt“ informieren. Seit dem Jahr 2003 arbeitet die Stadt mit der WEN Consulting GmbH zusammen. Die Berliner Agentur durchleuchtet städtische Liegenschaften nach einfachen Sparmöglichkeiten und setzt sie um. Dafür behält sie einen Teil des eingesparten Geldes.

Die größten Erfolge habe man durch sparsameres Heizen erzielen können, sagte WEN-Geschäftsführer Joachim Stöhr. Der Verbrauch an Fernwärme sei in den kommunalen Objekten in zehn Jahren um ein Drittel auf 2200 Megawattstunden gesunken. Die Erfolge seien durch bessere Isolierung, aber auch durch die Optimierung der Regler und der Heiztechnik und mit Hilfe der Nutzer erzielt worden.

Das Ernst-Haeckel-Gymnasium, die Carl-von-Ossietzky-Schule, das Rathaus Eisenbahnstraße und die Havelauenhalle seien die größten Stromschlucker unter den städtischen Liegenschaften. Sie verbrauchten laut Stöhr die Hälfte des Stroms.
Der Stromverbrauch der kommunalen Objekte sei durch die WEN-Aktivitäten leicht rückläufig. Der Verbrauch bei den Straßenlaternen stagniert – trotz vieler neuer Straßenlampen zum Beispiel in den Havelauen. Ein Sechstel des kommunalen Stromverbrauchs gehen auf die Straßenbeleuchtung zurück. Derzeit werde durch die WEN ein Straßenlaternenkataster gestellt, auf dessen Grundlage über Investitionen in LED-Technik nachgedacht werden soll, sagte Stöhr.
Unterm Strich werde angesichts steigender Energiekosten durch all die Einsparungen nur erreicht, dass die Stadt kaum Mehrkosten hat. In diesem Jahr wird der Energieverbrauch den Haushalt mit 1,1 Millionen Euro belasten.

Vom gesamten städtischen Stromverbrauch von 88 Millionen Kilowattstunden im Jahr 2011 seien etwa 41 Millionen auf Industrie und Gewerbe und 47 Millionen auf private Verbraucher zurückzuführen. Die Kommune ist mit 6,6 Millionen Kilowattstunden beteiligt, so Stöhr. Was die CO2-Bilanz der Werderaner für Strom und Wärme angeht, liege sie mit 3,5 Tonnen pro Einwohner und Jahr weit unter dem deutschen Durchschnitt von sechs Tonnen. Der Unterschied entstehe, weil in den östlichen Bundesländern nach 1990 Heizungs- und der Wohnungsbestand erneuert wurden, sagte Stöhr.

Fred Witschel, Sprecher der Freien Bürger, resümierte, dass die Stadt bei dem Thema nicht schläft. Der Anteil an erneuerbaren Energien in Werder sei mit 1,6 Prozent aber noch gering. Das zu ändern, dürfe nicht allein ein Thema des Rathauses und der Investoren für den Bliesendorfer Windpark bleiben. "Alle privaten Haushalte sind da gefragt", so Witschel. Über günstige Beratungsmöglichkeiten für Mieter und Hauseigentümer informierte am Montagabend ein Vertreter der Verbraucherzentrale Brandenburg.


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