Brauchwasserwerk Glindow

Sinnloser Protest

(PNN, 14.02.2013) von Henry Klix
Hahn zugedreht. Bei Rohrbrüchen will man schauen, ob sich reparieren lohnt.

Dutzende Brauchwasserkunden in Werder werden vom Netz abgeklemmt. Die Leitungssanierung ist wirtschaftlich nicht mehr darstellbar: 50 000 Euro sind an Verlusten im Wirtschaftsplan einkalkuliert.

Werder (Havel) - Schluss mit Gartenwasser zum Schleuderpreis: Die Stadt Werder klemmt Dutzende von Privatkunden von der Brauchwasserversorgung ab. Betroffen sind vorerst 70 Abnehmer in Petzow, die Bewohner von Neu Plötzin und die Anlieger dreier Straßenzüge in Glindow. Für alle anderen privaten Abnehmer werden sich die Preise auf 48 Cent pro Quadratmeter und Jahr drastisch erhöhen, vorher wurden je nach Grundstücksgrößen nur 15 bis 27 Cent kassiert.

In Glindow gibt es eine erste Unterschriftensammlung dagegen. Aus der Stadtverordnetenversammlung sind derweil kaum Widerstände zu erwarten, wie am Mittwochabend im Finanzausschuss deutlich wurde. Denn die Brauchwasserversorgung wird auch in diesem Jahr ein Zuschussgeschäft bleiben. 50 000 Euro sind im Wirtschaftsplan an Verlusten schon einkalkuliert, größere Rohrbrüche nicht mal eingerechnet.

Allein Sigmar Wilhelm (Freie Bürger) sprach sich da noch für Übergangsfristen und Bestandsschutz für Privatkunden aus und verwies auf über 40 Unterschriften aus seinem Ortsteil. Christian Große (CDU) hielt entgegen, dass viele Werderaner ihr Gartenwasser zu ganz anderen Preisen abnehmen müssen. „Die privaten Brauchwasserkunden weiter zu subventionieren, übersteigt ganz klar unsere Leistungsfähigkeit.“

Seit 1936 werden die Obstbauern und Privatgärtner im Raum Werder durch ein Leitungsnetz und Pumpwerke mit Havelwasser aus dem Glindowsee versorgt. Im Netz und dem Hauptpumpwerk besteht ein siebenstelliger Investitionsbedarf. Noch dazu schummeln viele der rund 1000 Kunden bei der Abrechnung, die Stadt zieht zur Flächenermittlung inzwischen das Liegenschaftskataster heran.

Besonders für den gewerblichen Obstbau auf der Glindower Platte, dem wichtigsten Obstbaurevier, gibt es zum Brauchwasser jedoch keine Alternative: Brunnenbohrungen sind dort aufgrund der hydrologischen Verhältnisse nicht möglich. So besteht zwar weitgehende Einigkeit bei den Stadtverordneten, das Brauchwassernetz zu erhalten und zu sanieren. Wie viele Privatkunden noch am Netz bleiben werden, ist aber völlig offen. Dazu soll nun bis zum Herbst ein dezidierter Vorschlag erarbeitet werden, wie das Rathaus mitteilte.

Vor einigen Jahren hatte die Stadt das Netz von einem überforderten Obstbauernverein übernommen, seitdem kämpft der städtische Wasser- und Abwasserzweckverband mit den Altlasten. Eine davon: Viele Leitungsrechte sind nicht gesichert. Nachdem in Petzow nun drei Grundstückseigner die Umverlegung von Leitungen gefordert hatten, musste die Stadt Konsequenzen ziehen, wie Beigeordnete Manuela Saß im Finanzausschuss erklärte. „Wir haben einen Dominoeffekt befürchtet.“ Zudem sei es finanziell nicht darstellbar, 50 000 Euro in die Umverlegung zu investieren, obwohl die 12 000 Euro jährlicher Einnahmen kaum für die Unterhaltung reichen.

Noch heftigere Rechenbeispiele hatte Saß für die Immenstraße, die Steinstraße und die Bliesendorfer Straße in Glindow parat, deren Sanierung bevorsteht. Die Brauchwasserleitungen dort sind in so schlechtem Zustand, dass sie ausgetauscht werden müssten. Den erforderlichen Investitionen von 460 000 Euro würden in den drei Straßen jährliche Einnahmen von kaum 10 000 Euro gegenüberstehen. „Man kann sich leicht ausrechnen, wann sich das amortisiert“, so Saß. Auch bei Rohrbrüchen wolle man künftig schauen, ob Reparaturen sinnvoll sind. Immerhin: Bei der Sanierung der Glindower Mühlenstraße sollen die Privatkunden am Netz bleiben. Es handele sich um eine Hauptleitung zur Glindower Platte, die noch in gutem Zustand ist.

Die meisten der gewerblichen Obstbauern rechnen ihren Wasserverbrauch mit Zählern ab, für sie wird das Brauchwasser ab diesem Jahr einheitlich 64 Cent pro Kubikmeter kosten. Bislang gab es mengendifferenzierte Preise, für den Großteil der Bauern bedeute der neue Preis eine Kostenreduzierung, wie Beigeordnete Saß betonte.


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